Altpapier
Einführung
Grafische Papierprodukte, wie Druckerzeugnisse und Büropapiere, stellen die mengenmäßig wichtigste Gruppe von Papiererzeugnissen dar, deshalb kommt dem Recycling grafischer Papiere ein hoher ökologischer Stellenwert zu. Altpapier ist ein wertvoller Rohstoff, der im Vergleich zu Papierprodukten auf Frischfaserbasis deutlich geringere Umweltbelastungen verursacht. Dies ist ein Ergebnis der vom Umweltbundesamt beauftragten "Ökobilanz für Graphische Papiere". Ein weiteres Ergebnis der Studie ist es, dass es umweltverträglicher ist Altpapier zu recyceln und daraus neues Papier herzustellen, als Altpapier zur Energiegewinnung zu verbrennen. Ebenso ist die Herstellung von graphischen Papieren aus Altpapier wesentlich umweltfreundlicher, als dafür frische Fasern aus Holz zu benutzen.
Die Rücknahmepflichten von Herstellern und Vertreibern von Papierverpackungen und deren Verwertung werden durch die Verpackungsverordnung (VerpackV) geregelt. Nach der Verpackungsverordnung müssen rund 70 % der Verpackungan aus Papier, Pappe und Karton (PPK) einer stofflichen Verwertung zugeführt werden. Dieser Wert wird deutlich übertroffen.
Die Altpapiersammlung erfolgt in der Regel entweder über die "blaue Tonne" bei den Haushalten oder die blauen Container an zentralen Sammelplätzen. Bei großen Anfallmengen wird das Altpapier auch direkt abgeholt. Altpapier, das in die blaue Tonne gehört, sind zum Beispiel (GesPaRec 2010):
- Zeitungen, Zeitschriften,
- Verpackungen aus Papier, Pappe und Karton (sog. PPK-Material)
- Papiere, Kartons und Pappen aus Büros und Verwaltungen
- Schulmaterial aus Papier
- Broschüren, Bücher
- unbeschichtetes Geschenkpapier
- Eierkartons
- Geschenkekartons
Nicht in die blaue Tonne gehören dagegen:
- Getränkekartons
- Tapeten
- Wachs-, Paraffin-, Bittumen- und Ölpapiere/-pappen
- Kohlepappiere
- Nassfeste imprägnierte sowie geleimte Papiere und Pappen
- Kunststoff-, Zellstoff-, Bitumen- und Metallfolien-, oberflächen- und zwischenbeschichtete Papeire und Pappen
- Mit Kunststofflacken oder -folien hergestellte Lack-, Glacé- und Chromopapiere und -pappen
- Kleber enthaltende Papiere und Pappen
- Magnetstreifen auf Lochkarten
Nicht mehr zur Herstellung von Papier nutzbares Altpapier sollte in modernen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen energetisch verwertet werden, die gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen. Altpapier auf Abfalldeponien zu beseitigen, ist aus Umweltschutzsicht die schlechteste Lösung.
Auch die Landesregierung tut einiges zur Förderung der Verwendung von Altpapier. So verpflichten zum Beispiel das rheinland-pfälzische Landesabfallwirtschaftsgesetz und einschlägige Verwaltungsvorschriften des Landes die Behörden des Landes, die Gemeinden und die sonstigen juristischen Personen des öffentlichen Rechts, u.a. bei der Beschaffung solchen Produkten den Vorzug zu geben, die aus Abfällen hergestellt sind. Darüber hinaus wird vorgeschrieben, dass graphisches Recycling-Papier, das den Anforderungen für die Vergabe des Umweltzeichen (RAL-ZU 14) entspricht, für bestimmte Zwecke zu verwenden ist (z.B. Kopien, Umdrucke, Formulare, Schreibhefte, -blocks, Ringbucheinlagen und Versandtaschen). Für die Beschaffung von Kartonagen (RAL-UZ 56) und Hygiene-Papieren (RAL-UZ 5) sind ebenfalls Recyclingpapiere mit blauem Engel zu verwenden.
Arbeitsgemeinschaft Graphische Papiere
Die Arbeitsgemeinschaft Graphische Papiere (AGRAPA), ein Zusammenschluss von Verbänden und Organisationen der papierherstellenden Industrie, der Papierimporteure, des Papiergroßhandels, der Druckindustrie sowie der Verleger, hat bereits am 26.09.1994 eine Selbstverpflichtungserklärung unterzeichnet, um die stoffliche Verwertung grafischer Altpapiere in mehreren Stufen zu steigern und ab dem Jahr 2000 eine Verwertungsquote von 60 % zu erreichen. Dazu sind folgende Maßnahmen von den einzelnen Branchen in eigener Verantwortung durchzuführen:
- Die Papierindustrie verpflichtet sich, bei der Papierproduktion mehr Altpapier als Rohstoff einzusetzen und solches Papier verstärkt auf dem Markt anzubieten. Ähnliches gilt für den Großhandel und die Importeure.
- Die Verleger verpflichten sich, beim Einkauf von Papier für ihre Produkte solche Papiere verstärkt nachzufragen.
- Die Druckindustrie verpflichtet sich, keine Stoffe einzusetzen, die den Prozess der Wiederverwendung von Altpapier erschweren. Das Altpapier soll recyclingfreundlich sein.
Weitere gemeinsame Maßnahmen der Industrie sind:
- Finanzierung und Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsprojekten,
- Modellversuche zur sortenreinen Erfassung von Altpapier,
- Schaffung von Transparenz für alle Beteiligten und Vertrauensbildung.
Selbstverpflichtung der Wirtschaft
Zur Kontrolle der im Rahmen der Selbstverpflichtung eingegangenen Verpflichtungen wurde 2001 der so genannte Europäische Altpapier-Rat gegründet. Er hat folgende Aufgaben:
- Koordinierung der von den Unterzeichnern übernommenen Verpflichtungen,
- Nachweisführung über die erzielten Fortschritte,
- Diskussion aller relevanten Angelegenheiten, die mit der Erfüllung der Europäischen Erklärung zusammenhängen,
- Koordinierung der Öffentlichkeitsarbeit über die Ergebnisse der Europäischen Erklärung,
- Veröffentlichungen von Jahresberichten.
Die deutsche Wirtschaft hat im Rahmen ihrer fortgeschrieben Selbstverpflichtung aus dem Jahr 2001 zugesichert, die Verwertungsquote dauerhaft auf dem Niveau 80 +/- 3 % stabil zu halten. Mit dieser Erklärung wird der hohe Stellenwert des Altpapierrecyclings in Deutschland gefestigt und Produktverantwortung im Sinne des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes wahrgenommen. Die Verwertungsquote der grafischen Papiere (d.h. ohne Papier- und Kartonverpackungen) lag in Deutschland 2009 bei 96,6 % (davon 71,5 % Verwertung im Inland, 25,1 % Export). Nationale Statistiken über das Recycling von Papier können auf der Homepage der Gesellschaft für Papierrecycling (GesPaRec) aufgerufen werden.
Im Jahr 2005 wurden europaweit 46,6 Mio. Tonnen Altpapier (graphische Papiere sowie Verpackungen) stofflich verwertet. Dies stellt eine Gesamtquote des Altpapierrecyclings von 55,4 % dar. 2010 lag die Recyclingrate für Papier in Europa bereits bei 69 %. Die an der Wertschöfpungskette der Papierindustrie beteiligten Kreise haben im September 2011 ihre "Europäische Erklärung zur Wiederverwertung von Papier" (EDPR) für den Zeitraum bis 2014 fortgeschrieben. Durch diese Selbstverpflichtung soll eine Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette von der Produktion von Papier, der Erfassung von Altpapier über die Sortierung und den Transport sowie eine europaweite Recyclingquote von 70 % bis 2015 erreicht werden.

