Zur Bedeutung der Bodenschätzungsdaten
Bodenschätzungsdaten sind eine in Deutschland flächendeckend vorliegende parzellenscharfe Information zur Bewertung der landwirtschaftlich nutzbaren Böden. Die Methodik wurde ursprünglich für eine gerechte Besteuerung landwirtschaftlich genutzer Flächen erarbeitet. Sie geht auf Vorarbeiten aus Preußen in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts zurück und führte schließlich 1934 zu dem Gesetz der Reichsbodenschätzung. Die Bodenschätzung war in Deutschland weitgehend vor dem 2. Weltkrieg abgeschlossen, seither werden von den Finanzverwaltungen der Länder die Nachschätzungen auf einheitlicher Basis weitergeführt.
Die Bodenschätzung wurde mit dem Gesetz zur Schätzung des landwirtschaftlichen Kulturbodens (Bodenschätzungsgesetz – BodSchätzG) vom 20. Dezember 2007 im Rahmen des Jahressteuergesetzes 2008 grundlegend novelliert.
Mit der Bodenschätzung wird die natürliche Ertragsfähigkeit der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen für die Bewertung des landwirtschaftlichen Vermögens ermittelt. Neben der Ermittlung der Bemessungsgrundlage für verschiedene Steuern (etwa 20 steuerliche Anwendungsgebiete, z.B. Grundsteuer, Einkommensteuer) dienen ihre Ergebnisse auch verschiedenen außersteuerlichen Zwecken (z.B. zur Wertermittlung bei Flurbereinigungsverfahren). Bodenschätzungsergebnisse liegen, abgesehen von Berlin, flächendeckend für die landwirtschaftliche Nutzung aller Bundesländer vor. Die insgesamt erfasste landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt etwa 17 Millionen ha. Die Durchführung der Bodenschätzung obliegt der Finanzverwaltung der Bundesländer.
Die Ergebnisse werden somit nicht nur fiskal genutzt zur Wertermittlung und Besteuerung von Flächen, oder allgemein als Bemessungsgrundlage im Grundstücksverkehr, Flächentausch, Kreditwesen, etc. sondern in der Landwirtschaft zur Beschreibung der Ertragsfähigkeit der Böden oder in der Wissenschaft zur Ableitung einer Vielzahl von bodenkundlichen Parametern (Bodenfeuchte, Verdichtungsempfindlichkeit, ...) oder zur Erstellung von Bodenkarten.
Durch in der Bodenkunde entwickelte und etablierte Methoden können eine Vielzahl von Fragestellungen aus dem Bodenschutz mit Hilfe der Bodenschätzungsdaten ausgewertet werden. Neben diesen bereits klassischen Auswertungen in der Bodenkunde eröffnen sich womöglich im Zusammenhang mit der Neuausrichtung der gemeinsamen europäischen Landwirtschaftspolitik neue Anwendungsbereiche für eine Nutzung und Auswertung der Bodenschätzungsdaten.
Projektabschluss "Großmaßstäbige Bodeninformationen für Hessen und Rheinland-Pfalz - Auswertung von Bodenschätzungsdaten zur Ableitung von Bodenfunktionen und -eigenschaften"
Mit der gemeinsamen Herausgabe im Juni 2008 durch das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie und durch das Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz wird die intensive Zusammenarbeit beider Landesämter für eine systematische und direkte bodenfunktionsbezogene Auswertung der Bodenschätzungsdaten für lokale Fach- und Bodenbewertungen sowie Planungen im Maßstabsbereich von 1:2.000 bis 1:10.000 dokumentiert.
Mit der Bodenschätzung liegen für die landwirtschaftlichen Nutzflächen inhaltlich und strukturell bundesweit identische Daten vor. Im Rahmen des Projektes wurde arbeitsteilig u.a. eine Methodendatenbank entwickelt, die die Datenstruktur der Bodenschätzung (Automatisierte Liegenschaftskarte ALK und das digitale Feldschätzungsbuch FESCH; Auswertung der Klassenzeichen) direkt verwendet und daraus vielfältige Produkte von analogen und digitalen thematischen Kartenwerken bis hin zu Web-Kartendiensten im Internet generiert.
Entscheidend für den Erfolg war die intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit der beiden Landesämter mit den Oberfinanzdirektionen Frankfurt am Main und Koblenz sowie dem Landesamt für Vermessung und Geobasisinformationen Rheinland-Pfalz sowie der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformationen.
Der eingeschlagene Weg der direkten bodenfunktionsbezogenen Auswertung der Bodenschätzungsdaten ist in ein offenes und auf andere Bundesländer übertragbares Verfahren. Die Methodendokumentationen sowie weitergehende Erläuterungen und die entwickelten Werkzeuge zur Auswertung liegen offen und stehen anderen Ländern zur Verfügung.
Beide Landesämter werden auch künftig für die weitere fachliche Methodenentwicklung (Methoden auf Basis der Grablochbeschriebe sowie zu neuen Fragestellungen) und für deren DV-mäßige Implementierung in Fachsysteme und Anwendungen eng zusammenarbeiten. Sie sind aufgeschlossen, gemeinsam mit weiteren Partnern neue länderübergreifende Methodenentwicklungen und Produkte zu definieren und zu entwickeln.
Der Abschlussbericht liegt auch als pdf-Dokument vor.
Die Auswertungskarten stehen für Rheinland-Pfalz zudem als Online-Karten-Server und als wms-Dienst zur Verfügung.

